1876 vor 150 Jahren
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Aufenthalt Dresden-Friedrichstadt |
Kindheit |
Die ersten zwölf Lebensjahre verbrachte Paula Becker in DresdenFriedrichstadt. Über diese ersten Jahre ist wenig bekannt. Überliefert ist nur ein schweres Unglück, bei dem die zehnjährige Paula gemeinsam mit den zwei Cousinen Cora und Maidli Parizot beim Spielen in einer Sandgrube verschüttet wurden. |
1888 vor 138 Jahren
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Umzug nach Bremen. |
nach Bremen. Erstes kleines Atelier |
Im Jahr 1888 zog die Familie nach Bremen. Carl Woldemar Becker konnte dort eine städtische Stelle als Baurat annehmen. Die Familie wohnte in der Hansestadt in einem Haus an der Schwachhauser Chaussee 23 (heute Schwachhauser Heerstraße).
Hier hatte Paula ihr erstes kleines Atelier. |
1892 vor 134 Jahren
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Aufenthalt |
in England |
Im Frühsommer 1892 ging Paula Becker auf Wunsch ihrer Eltern nach England. Eine Halbschwester ihres Vaters lebte dort in der Nähe Londons. Paula Becker sollte dort Haushaltsführung und Englisch erlernen. |
1893 vor 133 Jahren
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Vor allem auf Grund des Einwirkens ihres pflichtbewussten Vaters besuchte Paula Becker ab 1893 in Bremen ein Lehrerinnenseminar. Sie folgte damit ihrer ältesten Schwester, die ebenfalls dieses Seminar besucht hatte. Während dieser Zeit erhielt Paula Becker privaten Malunterricht – ein Entgegenkommen des Vaters, denn Paula Becker hatte die Ausbildung zur Lehrerin nur ungern begonnen. |
1893 vor 133 Jahren
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Kontakt |
Künster aus Worpswede in einer Ausstellung |
Im Frühjahr 1893 sah Paula Becker das erste Mal Bilder des Worpsweder Künstlerkreises. Otto Modersohn, Fritz Mackensen, Fritz Overbeck, Hans am Ende und Heinrich Vogeler stellten in der Kunsthalle Bremen ihre Gemälde aus. |
1895 vor 131 Jahren
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Ausbildung |
Lehrerinnenexamen |
Im September 1895 bestand Paula Becker das Lehrerinnenexamen mit einem guten Abschluss. |
1896 vor 130 Jahren
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Ausbildung |
Besuch einer Zeichen- und Malschule |
Der Familie ihrer Mutter verdankte Paula Becker es, dass sie im Frühjahr 1896 nach Berlin fahren konnte, um dort an einem sechswöchigen Kurs an der Zeichen und Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen teilzunehmen. |
1897 vor 129 Jahren
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Ausbildung |
Besuch Malklasse bei Jeanna Bauck |
1897 wurde sie zu der ersten Malklasse bei Jeanna Bauck, einer heute in Vergessenheit geratenen Künstlerin, an der Damenakademie des Vereins der Berliner Künstlerinnen, zugelassen |
1897 vor 129 Jahren
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Ausflug |
nach Worpswede |
Anlässlich der Silberhochzeit der Eltern unternahm die Familie Becker im Sommer 1897 einen Ausflug in das kleine, vor den Toren Bremens gelegene Dorf Worpswede. Paula Becker war von der Landschaft und ihrem Farbenspiel, der Einsamkeit des Ortes und der dort angesiedelten Künstlerkolonie tief beeindruckt. |
1898 vor 128 Jahren
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Entschluss |
nach Worpswede zu gehen |
Als sie im Januar 1898 600 Mark erbte und ihre kinderlosen Verwandten Arthur und Grete Becker ihr eine auf drei Jahre befristete jährliche Rente von 600 Mark aussetzten, damit sie ihre Ausbildung fortsetzen konnte, beschloss sie, unterstützt von ihren Eltern, nach Worpswede zu gehen. |
1899 vor 127 Jahren
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Ausstellungsbeteiligung |
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Die vernichtende Kritik, die sie gegen Ende 1899 über ihre erste Ausstellungsbeteiligung erhielt, hatte ihr auch deutlich gemacht, dass sie mit ihrer Malerei außerhalb der allgemeinen deutschen Kunstszene stand. |
1899 vor 127 Jahren
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Ortswechsel |
Paris |
In der Silvesternacht 1899 brach Paula Becker nach Paris auf. So wie Rom um die Wende ins 19. Jahrhundert Anziehungspunkt für deutsche Künstler war, war Paris gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum führenden europäischen Kunstzentrum geworden, und zahlreiche deutsche Künstler, darunter Emil Nolde, Karl Hofer, Bernhard Hoetger, Emmi Walther oder Käthe Kollwitz, verbrachten im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts einige Zeit in Paris und besuchten eine der zahlreichen zumeist privaten Kunstschulen. |
1900 vor 126 Jahren
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Ausbildung |
Studium in Paris |
Im Jahr 1900 studierte Paula Becker an der Académie Colarossi am Montparnasse in Paris. Ihre Lehrer waren Courtois, Collin und Girandot. |
1900 vor 126 Jahren
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Besuch |
Otto Modersohn in Paris |
Seit April 1900 fand in Paris die große Jahrhundertausstellung statt. Anlässlich dieser Ausstellung kamen Otto Modersohn und das Ehepaar Overbeck im Juni nach Paris. Paula Becker schätzte den elf Jahre älteren Landschaftsmaler Modersohn sehr. Modersohns gesundheitlich angeschlagene Ehefrau Helene war in Worpswede zurückgeblieben und starb während der kurzen Zeit, die er in Paris verbrachte. Modersohn und mit ihm das Ehepaar Overbeck kehrten überstürzt nach Deutschland zurück. |
1900 vor 126 Jahren
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Ortswechsel |
Rückkehr nach Worpswede |
Vierzehn Tage nach der Abreise von Modersohn und den Overbecks kehrte auch Paula Becker gemeinsam mit Clara Westhoff nach Worpswede zurück. Da die geerbten 600 Mark aufgebraucht und die ihr ausgesetzte Rente abgelaufen war, legte ihr Vater ihr nahe, sie möge sich eine Stelle als Gouvernante suchen. Ihr angegriffener Gesundheitszustand erlaubte das jedoch noch nicht sofort. Sie hatte sich in Paris überarbeitet und gleichzeitig aus Sparsamkeit so spartanisch gelebt, dass ihr der Arzt Ruhe verordnete. |
1900 vor 126 Jahren
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Verlobung |
mit Otto Modersohn |
Während sie sich physisch von ihrem anstrengenden Parisaufenthalt erholte, leistete ihr Otto Modersohn gelegentlich Gesellschaft. Die Beziehung zu ihm intensivierte sich, und am 12. September 1900, knapp drei Monate nach dem Tod von Helene Modersohn, verlobten sich die beiden. |
1900 vor 126 Jahren
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Bekanntschaft |
mit Rainer Maria Rilke |
In die Verlobungszeit fällt auch die Bekanntschaft mit Rainer Maria Rilke. Er hatte sich 1898 mit Heinrich Vogeler während dessen FlorenzAufenthaltes angefreundet und kam nun als Gast Vogelers zu Besuch nach Worpswede. |
1901 vor 125 Jahren
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Heirat mit Otto Modersohn |
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Am 25. Mai 1901 heirateten Otto Modersohn und Paula Becker. Paula ModersohnBecker hatte auf Druck ihrer Eltern zuvor sogar noch einen Kochkurs in Berlin begonnen, den sie jedoch frühzeitig wieder abbrach. Ihre in einem Brief vom 8. März 1901 angegebene Begründung charakterisiert nicht nur Paula ModersohnBeckers Person, sondern auch ihre kommenden Ehejahre. |
1902 vor 124 Jahren
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Tagebucheintrag |
Pauler Modersohn-Becker |
„Es ist meine Erfahrung, daß die Ehe nicht glücklicher macht. Sie nimmt die Illusion, die vorher das ganze Wesen trug, daß es eine Schwesterseele gäbe. Man fühlt in der Ehe doppelt das Unverstandensein, weil das ganze frühere Leben darauf hinausging, ein Wesen zu finden, das versteht … Dies schreibe ich in mein Küchenhaushaltebuch am Ostersonntag 1902, sitze in meiner Küche und koche Kalbsbraten.“ |
1902 vor 124 Jahren
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Tagebucheitrag |
Otto Modersohn |
Otto Modersohn, Tagebuch 15. Juni 1902:
„Wundervoll ist dies wechselseitige Geben und Nehmen; ich fühle wie ich lerne an ihr und mit ihr. Unser Verhältnis ist zu schön, schöner als ich je gedacht, ich bin wahrhaft glücklich, sie ist eine echte Künstlerin, wie es wenige gibt in der Welt, sie hat etwas ganz Seltenes. […] Keiner kennt sie, keiner schätzt sie – das wird anders werden.“
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1903 vor 123 Jahren
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Rückehr |
nach Worpswede |
Bereits im März 1903 kehrte sie wieder nach Worpswede zu ihrem Mann und ihrem Stiefkind zurück und brachte aus Paris zahllose künstlerische Anregungen mit. Der Aufenthalt dort hatte ihr eine Verbundenheit zu ihrem Mann und ihrer Stieftochter deutlich gemacht. Sie selber wünschte sich ein Kind und bedauerte zu dem Zeitpunkt sehr, dass es ihr bis jetzt verweigert blieb. |
1903 vor 123 Jahren
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Reise |
Paris |
Im Frühjahr 1903 erbat sich Paula ModersohnBecker von ihrem Mann die Zusage, für einen Zeitraum von zwei Monaten nach Paris zurückkehren zu können. In Paris verkehrte sie sehr viel mit dem Ehepaar Rilke, auch wenn sie die wachsenden Spannungen zwischen Rainer Maria Rilke und Clara Westhoff als belastend empfand. |
1903 vor 123 Jahren
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Rarisreise |
Treffen mit Rodin |
Rilke ermöglichte ihr außerdem einen Besuch bei dem berühmten französischen Bildhauer Auguste Rodin, der ihr sein Atelier zeigte und sie anschließend in seinen Pavillon in Meudon bei Paris einlud.
Kunsthistoriker vermuten gelegentlich, dass Paula während dieser Zeit auch Gemälde von Paul Gauguin gesehen hat, obwohl in ihren Tagebüchern nichts dazu vermerkt ist. Die Stillleben, die nach ihrer Rückkehr nach Worpswede entstanden und bei denen Gegenstände als farbige Teilflächen dargestellt sind, die dem Bildganzen untergeordnet sind, zeigen Ähnlichkeiten zu Gauguins Gemälden. |
1905 vor 121 Jahren
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Reise |
Paris |
Am 14. Februar 1905 reiste sie nach Paris, um dort gemeinsam mit ihrer Schwester Herma Becker unbeschwerte Tage zu verbringen. Ihren Mann drängte sie wiederholt, sich ihnen doch anzuschließen. Sie belegte erneut Kurse im Zeichnen an privaten Akademien, wurde sich aber zunehmend bewusst, dass sie mittlerweile eine eigene malerische Sprache entwickelt hatte. Erneut suchte sie einige Künstler des Nabiskreises auf, darunter Maurice Denis. |
1906 vor 120 Jahren
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Trennung |
von Otto Medersohn |
Am 23. Februar 1906 verließ Paula ModersohnBecker Worpswede. Im Tagebuch hielt sie fest, dass sie mit diesem Schritt Otto Modersohn verlassen habe. Für ihn kam der Schritt überraschend, und er sandte ihr nach Paris bittende Briefe, wieder zu ihm zurückzukehren. Paula ModersohnBecker dagegen bat ihn, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass sie von nun an getrennte Lebenswege gehen würden |
1906 vor 120 Jahren
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Parisaufenthalt |
Einrichtung eines eigenen Ateliers |
In Paris richtete sie sich in der Avenue du Maine ein spartanisches Atelier ein. Sie nahm auch erneut Zeichenkurse und besuchte einen Anatomiekurs an der École nationale supérieure des beauxarts de Paris, weil sie mit ihrer Malerei unzufrieden war. |
1906 vor 120 Jahren
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Brief |
an Rilke |
„Sie haben mir Wunderbarstes gegeben. Sie haben mich selber mir gegeben. Ich habe Mut bekommen. Mein Mut stand immer hinter verrammelten Toren und wußte nicht aus noch ein. Sie haben die Tore geöffnet. Sie sind mir ein großer Geber. Ich fange jetzt auch an zu glauben, daß etwas aus mir wird. Und wenn ich das bedenke, dann kommen mir die Tränen der Seligkeit … Sie haben mir so wohl getan. Ich war ein bißchen einsam“
– Brief an Rilke vom 5. Mai 1906
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1906 vor 120 Jahren
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Mitteilung |
Scheidungswunsch |
Am 3. September 1906 teilte Paula ModersohnBecker ihrem Mann mit, er möge in die Scheidung einwilligen, und sie bat ihn, ihr noch einmal 500 Mark zu geben. Danach wollte sie allein für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Wenige Tage später, am 9. September, widerrief sie ihre Entscheidung. Den Meinungswechsel bewirkte maßgeblich Bernhard Hoetger, der ihr in den Tagen dazwischen deutlich machte, wie wenig sie dazu im Stande sein würde, für sich selbst finanziell aufzukommen |
1907 vor 119 Jahren
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Rückkehr |
nach Worpswede |
Im März 1907 kehrte Paula ModersohnBecker gemeinsam mit ihrem Mann nach Worpswede zurück. In Worpswede entstanden in diesem Jahr nicht mehr viele Bilder, dafür aber sehr wichtige. |
1907 vor 119 Jahren
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Mutterschaft |
Geburt der Tochter Mathilde |
Am 2. November 1907 brachte Paula ModersohnBecker nach einer schwierigen Geburt ihre Tochter Mathilde („Tille“, gest. 1998[12]) zur Welt. Der Arzt verordnete ihr Bettruhe. |
1907 vor 119 Jahren
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Tod |
Paula Modersohn-Becker |
Am 20. November durfte sie erstmals aufstehen, worauf eine Embolie einsetzte, an der sie im Alter von 31 Jahren verstarb. Wie schade !, so überlieferte Otto Modersohn, seien ihre letzten Worte gewesen (BohlmannModersohn: Otto Modersohn, Leben und Werk. S. 184).
„Es ist nicht auszudenken, was noch alles entstanden wäre, wenn sie noch länger gelebt hätte. Sie träumte in den letzten Monaten viel von Italien, das sie nie gesehen, von Akten im Freien, von großfigurigen Bildern. Man kann nur ahnen, was sie der Welt noch geschenkt hätte.“
– Otto Modersohn: Ein Buch der Freundschaft, 1932
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